Die schönsten Wanderungen im Böhmischen Paradies
Die schönsten Wanderungen im Böhmischen Paradies von Prachovské skály bis Kozákov – mit Distanz, Höhenmetern und Gehzeit.
Wanderungen im Böhmischen Paradies gehören für uns zum Alltag – die meisten Routen können wir auswendig beschreiben, weil wir sie mit Gästen und am Wochenende auch selbst gehen. Die Gegend um Jičín ist klein, aber dicht gesät mit Felsenstädten, Burgen und Aussichtspunkten, sodass sich selbst für einen einzigen Tag eine Route nach Lust und Laune finden lässt: ein kurzer Familienspaziergang oder gleich 15 anspruchsvolle Kilometer mit ordentlichem Höhenunterschied. Unsere Gäste fragen am häufigsten nach Kilometern und Höhenmetern, deshalb schreiben wir bei jeder Route die Zahlen ganz konkret dazu.
Prachovské skály: der Klassiker, der nie enttäuscht
Die kürzeste und bekannteste Runde ist der sogenannte Große Rundweg (Velký okruh), etwa 5 Kilometer lang, mit rund 150 Höhenmetern und einer Gehzeit von etwa zwei Stunden im ruhigen Tempo. Der Weg führt durch enge Felsgassen, über Holztreppen und vorbei an den Aussichtspunkten Kobyla und Dračí skály. Festes Schuhwerk ist Pflicht – nach Regen werden die Steine selbst auf den Hauptwegen rutschig. Der Eintritt in die Felsenstadt kostet 70 Kč, geöffnet ist ganzjährig, außerhalb der Saison allerdings ohne besetzte Kasse. Im Gelände gibt es auch einen Lehrpfad mit Tafeln zur Entstehung der Sandsteinfelsen, eine gute Ergänzung für ältere Kinder.
Hrubá Skála – Valdštejn – Sedmihorky
Die längere und unsere liebste Runde beginnt auf dem Parkplatz beim Schloss Hrubá Skála, von wo die gelbe Markierung durch die Felsenstadt zur Ruine Valdštejn führt – einem romantischen Bauwerk mit Kapelle und Apostelfiguren auf einer Brücke zwischen den Felsen – und weiter hinunter zum ehemaligen Kurort Sedmihorky. Insgesamt etwa 7 Kilometer, mit Pausen an den Aussichtspunkten dauert es 2,5 bis 3 Stunden. In Sedmihorky liegt ein ruhiger Kurpark mit Teich, an dem man unterwegs rasten und etwas trinken kann. An der Ruine Valdštejn ist im Sommer oft ein kleines Café geöffnet, ansonsten sollte man Wasser und Essen selbst mitbringen, denn zwischen Hrubá Skála und Sedmihorky gibt es keine Einkehrmöglichkeit. Zurück zum Parkplatz geht es entweder denselben Weg oder mit dem Bus, wenn man nur in eine Richtung läuft.
Trosky und Umgebung
Rund um die Ruine Trosky führt eine Runde über das Dorf Vyskeř, wo sich weitere, weniger bekannte Burgreste auf einem Felssporn befinden. Die gesamte Strecke misst etwa 9 Kilometer, rechnet mit einem halben Tag inklusive Aufstieg auf den Turm Baba. Sie verläuft überwiegend über Wiesen und Waldpfade, das Gelände ist leicht hügelig, aber ohne technisch anspruchsvolle Abschnitte. Von Jičín erreicht man den Startpunkt in 25 Autominuten, der Parkplatz liegt direkt unterhalb der Ruine.
Durch das Tal Plakánek zur Burg Kost
Das ist die Route, die wir Leuten empfehlen, die das Böhmische Paradies ohne Touristenmassen erleben wollen. Sie führt von Libošovice oder Sobotka aus durch das romantische Tal des Bachs Plakánek, vorbei an Sandsteinfelsen und Teichen, bis zur Burg Kost. Je nach Startpunkt sind es 6 bis 9 Kilometer, das Gelände ist flacher als bei den Felsenstädten, also ein angenehmer Spaziergang auch im heißen Sommer – der größte Teil führt im Schatten des Waldes. Unterhalb der Burg gibt es Einkehrmöglichkeiten und man kann dort auf eine Abholung warten, falls man nicht denselben Weg zurückgeht.
Mit Kindern unterwegs
Wer mit kleineren Kindern unterwegs ist, fährt am besten mit der Runde durch die Prachovské skály – sie ist kurz, und es gibt ständig etwas zu entdecken, auch wenn man dort mit Kinderwagen wegen der Treppen nicht durchkommt. Das Tal Plakánek ist dagegen flach und lässt sich sogar mit einem Kinderfahrrad mit Stützrädern bewältigen. Zu den Trosky oder in die Felsenstadt bei Hrubá Skála würden wir erst mit Schulkindern aufbrechen, die auch die enge Wendeltreppe zum Turm Baba und längere Abschnitte ohne Pause schaffen.
Kozákov: ein Aussichtspunkt, der den Umweg wert ist
Kozákov liegt schon fast an der Grenze der halbstündigen Fahrzeit von Jičín, rechnet eher mit 35 Minuten, aber wer Aussichtstürme mag, sollte ihn nicht auslassen. Auf dem Gipfel steht ein Aussichtsturm mit Blick auf das Riesengebirge, den Berg Ještěd und zurück über das gesamte Böhmische Paradies, zu sehen sind auch alte Gruben aus dem früheren Granatabbau. Vom Parkplatz bei Horní Sedlo sind es hinauf etwa 2 Kilometer auf einem Waldweg, in 40 Minuten auch mit älteren Kindern zu schaffen.
Praktische Tipps für den Rucksack
Die Markierung im Böhmischen Paradies ist klassisch – farbige Streifen an Bäumen und Felsen in Rot, Blau, Grün und Gelb. Für die meisten Routen genügt die App mapy.cz oder die Papierwanderkarte KČT Nummer 22 mit dem Titel Český ráj. Festes Schuhwerk gehört auch auf kürzere Touren mit, Sandsteinfelsen sind wegen des feinen Staubs auf der Oberfläche selbst bei Trockenheit rutschig. Im Sommer empfehlen wir einen frühen Start, Prachovské skály und Hrubá Skála sind an Wochenenden nach zehn Uhr morgens meist ziemlich voll. Hunde an der Leine begegnet man auf den meisten Routen, frei laufen sollten sie wegen der Schafe auf den Weiden rund um Trosky aber nicht. Bänke zum Ausruhen findet man vor allem an den Aussichtspunkten, mitten in den Felsenstädten eher nicht.
Zum Schluss
Wer nur einen Tag für Wanderungen hat, kombiniert am besten Prachovské skály am Vormittag mit Kost oder Trosky am Nachmittag – beides schafft man auch mit einer Mittagspause unterwegs. Packt immer mindestens einen Liter Wasser pro Person ein, an den markierten Wegen findet man meist keine Trinkwasserquelle. Der Handyempfang ist rund um Plakánek und Kozákov oft schwach, die Route deshalb besser vorher aufs Handy laden oder eine Papierkarte mitnehmen. Im Herbst liegt über den Teichen bei Trosky oft ein stimmungsvoller Nebel, ein beliebtes Motiv bei Fotografen, die schon im Morgengrauen anreisen.