Tal Plakánek: romantische Schlucht unterhalb der Burg Kost
Das Tal Plakánek ist eine stille Sandsteinschlucht unterhalb der Burg Kost, zwanzig Autominuten von unseren Apartments in Jičín entfernt.
Das Tal Plakánek beginnt direkt unterhalb der Mauern der Burg Kost und zieht sich entlang des Bachs Klenice fast drei Kilometer bis zur Siedlung Rašovec. Es ist einer der wenigen Orte im Böhmischen Paradies, an dem man nach einer Stunde Wanderung außer einem Specht und ein paar Anglern am Teich niemandem begegnet – und dabei liegt es keine 18 Kilometer von unseren Apartments in Jičín entfernt, also etwa zwanzig Autominuten Richtung Sobotka.
Woher der traurige Name stammt
Einer Sage nach weinte hier ein Mädchen tagelang aus Liebeskummer, weil man ihren Geliebten zum Militär eingezogen hatte, und ihre Tränen sollen die heutigen Felsnischen geformt haben. Historiker haben eine nüchternere Version: Das Tal ist nach der Familie Plakánek benannt, Köhlern, die hier im 17. Jahrhundert unter Graf Heřman Černín Holzkohle für die Herrschaft Kost brannten. Der Rauch der Kohlemeiler ließ den Köhlern angeblich ständig die Augen tränen – daher das Weinen, nicht die Liebe. Welcher Version man auch glaubt, der Name passt zur Schlucht: Die hohen Sandsteinwände auf beiden Seiten halten Schatten und Feuchtigkeit bis weit in den Vormittag, sodass das Tal selbst im Mittagslicht eine geheimnisvolle, melancholische Atmosphäre behält. Die ganze Region gehört übrigens seit 2005 zum Netzwerk der UNESCO Global Geoparks als Geopark Böhmisches Paradies, und die Sandsteinformationen im Plakánek-Tal sind einer der Gründe für diese Auszeichnung.
Der Weg durchs Tal
Der Lehrpfad Tal Plakánek ist insgesamt 10,5 Kilometer lang und hat 11 Stationen – dafür sollte man drei bis vier Stunden einplanen. Für einen Nachmittagsspaziergang reicht es aber, nur die eigentliche Schlucht zwischen Kost und Rašovec zu gehen: Hin und zurück sind das knapp sechs Kilometer auf ebenem Gelände, auch mit einem geländegängigeren Kinderwagen machbar. Der Weg führt auf einem unbefestigten Waldpfad entlang des Bachs, streckenweise über Holzstege durch feuchtere Abschnitte – nach Regen sind feste Schuhe Pflicht. Im Wald hört man das ganze Jahr über das Klopfen der Spechte, und in den wärmeren Monaten riecht es nach Kiefernharz von den Bäumen, die direkt aus den Felsspalten wachsen – ein Spaziergang eher für Ohren und Nase als nur für die Kamera, auch wenn es genug Gelegenheiten für schöne Aufnahmen gibt.
Unterwegs kommt man vorbei an:
- Sandsteinwänden, die Wasser und Frost zu Nischen und kleinen Höhlen geformt haben,
- der Quelle Roubenka, an der man die Wasserflasche auffüllen kann,
- einer erhaltenen Wassermühle bei der Siedlung Střehom, heute in Privatbesitz, aber von außen sehr fotogen,
- alten Sandsteinbrüchen, aus denen der Stein für den Bau der Burg Kost gebrochen wurde.
Kombination mit der Burg Kost
Kost gehört zu den besterhaltenen gotischen Burgen Böhmens und steht genau am nördlichen Ende des Tals – ein Spaziergang durch das Plakánek-Tal lässt sich also perfekt mit einer Burgbesichtigung verbinden. In der Saison von April bis Oktober ist die Burg meist an allen Tagen außer Montag geöffnet, außerhalb der Saison nur am Wochenende, und die Führung dauert etwa eine Stunde. Unterhalb der Burg liegt ein Parkplatz, an dem der Weg ins Tal direkt beginnt – das Auto bleibt also den ganzen Nachmittag an einem Fleck.
Wer noch weiter will: Schloss Humprecht
Wer einen ganzen Tag Zeit hat, kann vom Plakánek-Tal noch nach Sobotka weiterfahren, wo auf einem Hügel das barocke Jagdschlösschen Humprecht steht. Es wurde 1666–69 von Humprecht Jan Černín von Chudenice erbaut und hat einen ungewöhnlichen ovalen Grundriss. Die Hauptattraktion ist ein sechzehn Meter hoher Saal mit einzigartiger Akustik – das Echo hallt hier sechs bis acht Sekunden lang nach, was in ganz Mitteleuropa seinesgleichen sucht. Seit 1958 befindet sich hier ein Museum, und von seiner Galerie hat man einen schönen Blick über die ganze Umgebung von Sobotka.
Wann man am besten kommt
Am schönsten ist das Tal im Frühling, wenn der Bach Klenice nach der Schneeschmelze mehr Wasser führt und die Wälder nach Nieswurz und Buschwindröschen duften, oder im Herbst, wenn sich die Sandsteinwände zusammen mit dem Buchenlaub rostrot färben. Im Sommer wiederum schätzt man den Schatten auch zur Mittagszeit – anders als bei den offenen Aussichtspunkten der Prachauer Felsen, wo die Sonne den ganzen Nachmittag gnadenlos brennt.
Mit dem Rad und mit Kindern
Durch das Tal führt auch ein Radweg, der Sobotka mit den Klokočské-Felsen verbindet, sodass man in der Saison auch Radfahrern begegnet – der Untergrund bleibt aber waldig, also eher ein Fall für Mountainbikes als für Rennräder. Mit kleinen Kindern empfehlen wir die kürzere Variante von Kost nach Rašovec und zurück; für den kompletten Lehrpfad braucht man auch bei größeren Schulkindern schon müde Beine.
Ganz in der Nähe liegt das Städtchen Sobotka, Geburtsort des Schriftstellers Fráňa Šrámek. Am Hauptplatz, dem náměstí Míru, steht das klassizistische Šrámkův-Haus, in dem man im ersten Stock eine multimediale Ausstellung über sein Leben und Werk findet – darunter nachgebaute Räume aus seiner Prager Wohnung, Arbeitszimmer und Bibliothek mit persönlichen Gegenständen, Manuskripten und Briefen. Im Sommer lebt das Städtchen zusätzlich vom Festival Šrámkova Sobotka, meist Ende Juni bis Anfang Juli, wenn sich das Zentrum mit Theateraufführungen und Open-Air-Konzerten füllt. Fällt der Ausflug ins Plakánek-Tal in diesen Zeitraum, lohnt sich ein Abstecher ins Städtchen selbst.
Wer morgens von unseren Apartments in Jičín aufbricht, schafft locker beides an einem Tag – vormittags das Plakánek-Tal, nachmittags die Burg Kost, und abends zurück in die Markova-Straße, die Füße hochlegen und sich etwas in der eigenen Küche kochen. Genau für solche Ausflüge sind unsere Apartments in getrennte Einheiten mit eigener Küche und eigenem Bad aufgeteilt – nach einem ganztägigen Ausflug schätzt man es, sich die Dusche nicht mit Fremden auf dem Flur teilen zu müssen, und morgens ohne Warten auf ein freies Bad in den nächsten Ausflug zu starten. Zieht sich der Ausflug bis in den Abend, kann man auf dem Rückweg noch in Sobotka zu Abend essen oder in Jičín einkaufen, wo die Läden meist länger geöffnet haben als in den umliegenden Dörfern.
Praktischer Tipp
Nehmt Insektenspray mit – die feuchteren Abschnitte am Bach sind von Mai bis August auch bei Mücken beliebt, besonders in der Dämmerung. Und wer die Kombination mit der Burg plant, sollte die Öffnungszeiten vorher auf der Website der Burg Kost prüfen, da sie außerhalb der Saison je nach Wochentag wechseln.