Böhmisches Paradies mit Kinderwagen: familienfreundliche Routen
Kinderwagenfreundliche Routen im Böhmischen Paradies ohne Treppen – Podzámčí bei Kost, Sedmihorky, Betlém und der Schlosspark Mnichovo Hradiště.
Das Böhmische Paradies mit Kinderwagen lässt sich besser erkunden, als man in einer Felsenlandschaft erwarten würde – man muss nur die richtigen Routen wählen und Treppen sowie enge Felsgassen meiden, von denen es hier sonst reichlich gibt. Wir haben selbst zwei kleine Kinder, diese Ausflüge haben wir hundertfach selbst getestet, und hier ist die Liste der Orte, die wir auch mit dem Kinderwagen ohne Bedenken ansteuern, notfalls sogar mit einem Baby in der Babyschale. Wir haben vor allem auf die Steigung, den Untergrund und darauf geachtet, ob sich eine kurze Route bei Bedarf verlängern oder verkürzen lässt.
Jičín: ein Spaziergang direkt vor der Tür
Bevor es mit dem Auto losgeht, probiert erst einmal Jičín selbst. Vom Marktplatz Valdštejnovo náměstí führt der direkte Weg zum Park Libosad, dem ehemaligen Schlossgarten mit Alleen und einem kleinen Teich, etwa 10 Minuten gemütlichen Gehens. Die Wege sind gepflastert oder befestigt, ohne Bordsteine und Treppen, also ideal für einen Nachmittagsspaziergang gleich nach der Ankunft, bevor die Koffer ausgepackt sind. Die Route lässt sich bis zu einem Teich am Stadtrand verlängern, wo es im Sommer auch am Wochenende ruhig zugeht. Rund um den Park gibt es einige Cafés mit Außenbereich. Sind auch die Großeltern dabei, ist die Route um den Park sanft genug auch für einen Spaziergang mit Gehstock oder Rollator.
Podzámčí bei Burg Kost: unsere beliebteste Route
Das empfehlen wir am allerhäufigsten. Vom Parkplatz unterhalb der Burg Kost führt ein ebener Waldweg entlang des Flusses Žehrovka und der Teiche Vidlák und Věžák weiter Richtung Libošovice. Der Untergrund ist befestigter Schotter, ohne Treppen und steile Anstiege, sodass man mit dem Kinderwagen problemlos drei bis vier Kilometer zurücklegen kann. Unterwegs begegnet man Anglern, Schwänen und in den warmen Monaten auch Radfahrern, denn auf derselben Strecke verläuft ein Radweg. An den Teichen gibt es Bänke für eine Rast mit Vesper. Wer länger laufen möchte: Die Route zieht sich weiter an weiteren Teichen entlang bis nach Sobotka, insgesamt kommen so bis zu acht Kilometer hin und zurück zusammen, für den Kinderwagen immer noch problemlos. Das Parken unterhalb der Burg kostet 50 Kč pro Tag.
Sedmihorky: Kurpark zum Ausruhen
Das ehemalige Kurbad Sedmihorky bei Hrubá Skála verfügt über einen gepflegten Park mit großem Teich, Bänken und ebenen Wegen, die auch für einen Kinderwagen mit Liegeschale für Babys geeignet sind. Das ist ein guter Ort für eine Pause mitten in einem längeren Ausflug, denn es gibt dort auch ein Restaurant und einen kleinen Spielplatz direkt im Park. Von Jičín sind es mit dem Auto etwa 25 Minuten, das Parken am Park ist kostenlos.
Sobotka: ein kurzer Stopp am Marktplatz
Auf dem Weg zur Burg Kost oder zu Humprecht lohnt sich ein kurzer Halt in Sobotka. Der barocke Marktplatz ist eben, gepflastert und ohne Treppen, ringsum gibt es einige Cafés mit Außenbereich. Für einen Kaffee und um die Beine nach der Autofahrt zu vertreten, reichen etwa zwanzig Minuten, bevor es weitergeht.
Prachovské skály: nur der untere Teil
Die eigentliche Felsenstadt empfehlen wir mit Kinderwagen nicht, die Gassen sind eng und voller Treppen und Leitern. Der befestigte Weg vom Parkplatz zum Haupteingang und weiter zum Aussichtspunkt über dem Tal ist dagegen bequem und führt durch den Wald, sodass man auch mit Kinderwagen zumindest einen Teil der Felsen und die Atmosphäre des Ortes mitbekommt. Rechnet mit etwa 1,5 Kilometern Weg hin und zurück, ohne Treppen, das Gelände steigt nur leicht an. In der Saison gibt es am Eingang oft auch einen Stand mit Bratwurst im Brötchen, für eine kleine Vesperpause zwischendurch.
Wann man am besten losgeht
Am besten fährt es sich mit Kinderwagen von April bis Oktober, außerhalb der Saison werden die Waldwege bei Kost nach Regen oft matschig. Im Juli und August empfehlen wir den Vormittag, nachmittags ist an den Teichen viel Rad-Verkehr unterwegs und auf schmalen Stellen kommt man schwerer aneinander vorbei. Sedmihorky und Betlém sind dagegen ganzjährig angenehm, weil sie größtenteils durch den Wald führen.
Betlém: der Märchenwald bei Jičín
Ein Waldpark ein Stück von den Felsen entfernt, den die Einheimischen nach dem Märchen vom Räuber Rumcajs Betlém nennen, hat ebene Wege und Holzskulpturen von Märchenfiguren zwischen den Bäumen. Unsere Kinder gehen am liebsten genau dorthin – die Route ist kurz, etwa 2 Kilometer, auch mit sehr kleinen Kindern und Kinderwagen problemlos zu bewältigen, unterwegs gibt es einige Bänke zum Ausruhen und in der Saison einen Eisstand. Im Winter ist der Wald oft matschig, bei trockenem Wetter aber auch für einen Jogger-Kinderwagen ideal.
Mnichovo Hradiště: der Schlosspark
Der Schlosspark in Mnichovo Hradiště ist eben, mit Alleen alter Bäume und einem kleinen Teich, an dem es immer etwas zu beobachten gibt – Enten, Schwäne, manchmal einen Reiher. Von Jičín sind es 20 Autominuten, der Park ist frei zugänglich und der Eintritt kostenlos, bezahlt wird nur für die Besichtigung des Schlossinneren, die man mit kleinen Kindern ohnehin eher auslässt. Rund um den Park gibt es ein paar schattige Bänke, gut für ein Picknick, wenn man das Essen selbst mitbringt, denn einen Kiosk direkt im Park gibt es nicht.
Was mitnehmen
Wir empfehlen einen geländegängigen Kinderwagen mit größeren Rädern, ein klassisches Stadtmodell ermüdet auf den Schotterwegen schnell und lässt sich schwerer schieben. Im Sommer nehmt einen Sonnenschutz mit – die Waldwege bei Kost und im Betlém sind zwar schattig, aber an den Teichen und Aussichtspunkten brennt die Sonne ordentlich. Einen Regenschutz für den Kinderwagen sollte man auch bei guter Vorhersage einpacken, das Wetter im hügeligen Gelände rund um Jičín kann sich schnell ändern. Wickelunterlage und genug zu trinken sollten immer griffbereit sein, öffentliche Toiletten findet man nur an kostenpflichtigen Eingängen oder im Zentrum von Jičín.
Praktischer Tipp zum Schluss
Wer einen ganzen Tag mit dem Kinderwagen unterwegs sein will, beginnt am besten mit Podzámčí bei Kost – das ist die längste und ebenste Route, den Rest des Tages plant man dann danach, wie frisch die Kinder noch sind. Und schlafen die Kinder auf halber Strecke ein, lässt keine der genannten Routen einen länger als zwanzig Minuten zurück zum Auto laufen.