Böhmisches Paradies im Winter: verschneite Felsen und Stille
Das Böhmische Paradies im Winter bietet verschneite Felsen, leere Wege und Blick auf das Riesengebirge – Tipps von der Chata Syřenov.
Das Böhmische Paradies (tschechisch Český ráj) im Winter sieht völlig anders aus als im Sommer – die Sandsteintürme rund um Syřenov überzieht Raureif, auf den Wiesen unterhalb des Kozákov liegt knöcheltiefer Schnee, und auf den Wegen, die im Juli von Touristengruppen belagert werden, begegnen einem jetzt höchstens zwei Leute mit Hund. Wir wohnen direkt in Syřenov, einem Dorf am Fuß des Kozákov, und den Winter genießen wir hier fast mehr als den Sommer – es ist die Saison, in der die Gegend vor allem den Einheimischen gehört und ein paar wetterfesten Wanderern.
Felsenstädte, zu denen im Winter kein Bus fährt
Die Prachovské skály, die bekannteste Felsenstadt der Region, liegen etwa 30 Kilometer von uns entfernt, und im Winter wird dort nur die Hauptstraße geräumt, nicht der Parkplatz direkt am Eingang – deshalb schicken wir Gäste im Dezember und Januar eher selten dorthin. Viel näher liegen die Jinolické skály, nur 5 Kilometer von der Hütte entfernt, ein kleines, kaum bekanntes Felsenlabyrinth, das man in etwa einer Stunde und fünfzehn Minuten zu Fuß über den Waldweg vom Dorf aus erreicht. Im Winter pflückt dort niemand Blumen und schreit von der Aussicht herunter – nur Schnee, Nadeln und Rehspuren in der frischen Schneedecke. Die Felsen sind hier niedriger als in den Prachovské skály, keiner ragt höher als 15 Meter, aber die Stille und die verschneiten Überhänge haben einen Reiz, den man in der Hauptsaison nie erlebt.
Kozákov: Aussichtsturm geschlossen, Aussicht bleibt
Der Aussichtsturm auf dem Kozákov (744 m) liegt nur 7 Kilometer von uns entfernt, ist aber zwischen November und April meist verschlossen – geöffnet hat er nur in der Saison, ungefähr von April bis Oktober, an Wochenenden je nach Wetter auch außerhalb. Das heißt aber nicht, dass sich der Ausflug auf den Berg nicht lohnt. Schon vom Hang unterhalb des Aussichtspunkts, den man in 35 bis 40 Minuten zu Fuß vom Parkplatz unterhalb des Gipfels erreicht, sieht man an einem klaren Wintertag den ganzen Kamm des Riesengebirges von der Schneekoppe bis zur Silhouette des Ještěd am Horizont. Wir empfehlen den Vormittag, dann liegt in den Tälern meist noch der wenigste Nebel.
Langlaufen und Rodeln ohne Anfahrt
Sobald mindestens 10 Zentimeter Schnee liegen, entstehen die Langlaufspuren direkt hinter dem Dorf – nicht präpariert, aber befahrbar, sie führen über die Wiesen Richtung Tábor und weiter in den Wald unterhalb des Kozákov. Eigene Langlaufski bringen manche Gäste selbst mit, wer keine hat, findet einen Verleih mit Ausrüstung in Lomnice nad Popelkou (3 km), wo die Tagesmiete für ein Paar 200 bis 250 Kronen kostet. Zum Rodeln reicht der Hang direkt unterhalb der Hütte – vom Gartentor bis zum Bach sind es etwa 150 Meter steiler Hang, ideal für Familien mit Kindern, nur mit einem Gartentor zum Nachbargrundstück, auf das man achten sollte.
Wo man sich in der Nähe aufwärmt und isst
Nach einem ganztägigen Spaziergang im Schnee tut eine warme Mahlzeit ohne lange Anfahrt gut. In Lomnice nad Popelkou haben im Winter mehrere Gasthäuser mit Tagesmenü ab etwa 150 Kronen geöffnet, auch sonntags. Unsere Gäste schicken wir meist in ein Restaurant unweit des Marktplatzes, wo es Gulasch und Svíčková (böhmischer Rahmbraten) gibt und wo einen nach dem Skilanglauf niemand vom Tisch drängt. Zurück nach Syřenov sind es dann nur noch zehn Minuten Fahrt durch die Dunkelheit, mit der man im Winter in den Bergen rechnen muss – die Sonne geht hier im Dezember schon kurz nach vier unter.
Spuren im Schnee und Wildtiere, die man trifft
Winterspaziergänge rund um Syřenov haben noch einen Vorteil – im frischen Schnee sieht man, wer hier vor einem entlanggegangen ist. Entlang des Waldwegs zu den Jinolické skály findet man regelmäßig Abdrücke von Rehen und Hasen, manchmal auch Fuchsspuren, die vom Bach hinauf zum Wald führen. Gäste, die früh morgens losgehen, entdecken gelegentlich sogar Rehe am Waldrand – die besten Chancen bestehen meist gegen sieben Uhr, bevor der Verkehr auf der Hauptstraße einsetzt. Ein Waldkauz ruft hier manchmal abends direkt von der Scheune gegenüber der Hütte, auch das gehört zu den Winterabenden, die Gäste als den ruhigsten Urlaub seit Jahren beschreiben.
Weihnachts- und Wintermärkte in der Nähe
Der Advent lebt in der Region vor allem in zwei Städten. In Lomnice nad Popelkou gibt es meist einen kleineren Weihnachtsmarkt auf dem Platz, gewöhnlich am zweiten Dezemberwochenende, mit Punsch für 50 Kronen und Ständen lokaler Handwerker. Wer etwas Größeres sucht, fährt nach Jičín (25 km von der Hütte), wo sich das Valdštejnovo náměstí (der Hauptplatz) jeden Dezember in einen Markt mit Eisbahn und beleuchtetem Schloss im Hintergrund verwandelt – rechnet mit 40 Minuten Fahrzeit, Parken rund um den Platz kostet 30 Kronen pro Stunde.
Wie man im Winter zu uns kommt
Der Weg nach Syřenov führt von Jičín über Lomnice nad Popelkou auf einer Straße zweiter Klasse, die auch bei starkem Schneefall meist befahrbar bleibt – der Straßendienst hält sie als eine der vorrangigen Strecken im Bezirk instand. Der letzte Kilometer von der Hauptstraße ins Dorf ist schmaler und steigt an, bei Glätte empfehlen sich Winterreifen, Schneeketten sind aber normalerweise nicht nötig. Wer spätabends bei Schneefall ankommt: Im Hof lassen wir ein Licht brennen, damit die Einfahrt auch im Dunkeln gut zu erkennen ist.
Abende am Ofen
Im Winter wird es schon gegen fünf Uhr nachmittags dunkel, sodass sich der Urlaub ganz natürlich früher nach drinnen verlagert als im Sommer. In der Hütte steht ein Regal mit Brettspielen und Büchern über die Umgebung, Holz für die ersten zwei Heiztage ist im Preis enthalten, ein weiteres Bündel Holz können Gäste direkt vor Ort für 300 Kronen dazukaufen. Wer heiße Getränke draußen mag, kann eine Thermoskanne Tee mit auf die Veranda nehmen – selbst bei Frost sieht man von dort die Sterne klarer als in jeder Stadt, denn die nächste Straßenbeleuchtung ist erst in Lomnice nad Popelkou, drei Kilometer entfernt.
Wie man sich für den Winteraufenthalt kleidet und was man mitbringt
Der Schnee im Podkrkonoší ist anders als in der Stadt – feuchter und schwerer, deshalb lohnen sich wasserdichte Schuhe, nicht nur normale Wanderschuhe für den Spaziergang. Die Temperaturen liegen im Januar und Februar meist zwischen -5 und -10 °C, nachts durchaus auch darunter. In der Hütte heizen wir mit einem Holzofen, deshalb ist die erste Stunde nach der Ankunft oft kühler als erwartet – wir empfehlen, den Ofen gleich nach der Ankunft zu befeuern und währenddessen einen kurzen Spaziergang zu machen, bis sich die Hütte richtig aufgewärmt hat. Parkplätze gibt es direkt an der Hütte für zwei Autos, im Winter räumen wir sie regelmäßig vom Schnee, sodass auch ein normaler Pkw ohne Schneeketten problemlos hinkommt.
Praktischer Tipp zum Schluss: Wer im Januar oder Februar anreist, sollte gleich am ersten Morgen zum Kozákov aufbrechen – frisch gefallener Schnee ohne fremde Spuren hält sich dort meist nur bis etwa zehn Uhr vormittags, danach trifft man auf dem Kamm schon andere Ausflügler aus Semily und Turnov.