Sobotka: Das Städtchen unterhalb von Schloss Humprecht
Sobotka ist ein malerisches Städtchen im Böhmischen Paradies, überragt vom barocken Schloss Humprecht mit seinem berühmten Echo.
Sobotka liegt knapp zwanzig Kilometer von unserem Apartment in Jičín entfernt, also etwa zwanzig Autominuten, und trotzdem haben wir jedes Mal das Gefühl, eine ganz andere Ecke des Böhmischen Paradieses zu entdecken. Über den Dächern der Renaissancehäuser am Marktplatz ragt nämlich eines der eigenartigsten Bauwerke der Region auf – der ovale Turm des barocken Schlosses Humprecht, der von weitem eher an einen riesigen Fabrikschornstein als an einen Adelssitz erinnert.
Ein Schloss mit einem Echo, das es in Böhmen kein zweites Mal gibt
Graf Jan Arnošt Humprecht Černín von Chudenice ließ das Schlösschen 1666–1668 als Jagdsitz inmitten eines Wildgeheges voller Fasane und Hirsche errichten. Der Architekt Carlo Lurago gab ihm eine Form, die in Europa kaum ein zweites Mal zu finden ist: ein ovaler Grundriss mit einer hohen Kuppel, unter der sich ein einziger, riesiger Saal verbirgt. Heute befindet sich dort ein Café – und vor allem ein akustisches Kuriosum. Es reicht, an einer Wand des Saals zu flüstern, und auf der gegenüberliegenden Seite hört man es, als würde einem jemand direkt ins Ohr sprechen. Mit Kindern verbringen wir dort gern eine Viertelstunde nur damit, herauszufinden, von wo aus das Echo am besten trägt.
Die Besichtigung der Ausstellung dauert etwa 45 Minuten, in der Saison von April bis Oktober ist außer montags fast täglich geöffnet, außerhalb der Saison nur an Wochenenden. Der Eintritt für Erwachsene liegt bei etwa 100–120 Kč, für Familien gibt es ermäßigte Tarife. Rund um das Schloss führt ein kurzer Waldweg auf den Gipfel des Hügels (386 m), von dem man bei klarer Sicht bis zum Kozákov sehen kann.
Geschichte in Kürze
Sobotka erhielt bereits im 14. Jahrhundert Stadtrechte und hat sich bis heute den Charakter eines kleinen Städtchens am Fuß der Berge bewahrt – die Kirche der heiligen Maria Magdalena am Markt, eine barocke Statuengruppe und einige erhaltene Bürgerhäuser erinnern daran, dass hier seit jeher die Straße zwischen Jičín und Turnov verlief. Heute leben knapp dreitausend Menschen hier, weshalb das Zentrum selbst an Sommerwochenenden nie überlaufen wirkt.
Ein Marktplatz, der einem Schriftsteller gehört
Das Herz des Städtchens ist der Šrámkovo náměstí, benannt nach dem hier geborenen Fráňa Šrámek, einem der meistgelesenen tschechischen Dichter und Prosaisten des vergangenen Jahrhunderts. Unter den Arkaden reihen sich Cafés, eine Konditorei und ein paar Handwerksläden – ideal für einen Kaffee vor oder nach dem Aufstieg zum Schloss. Ende Juni findet hier alljährlich das Literaturfestival Šrámkova Sobotka statt: eine Woche voller Theater, Musik und Lesungen, die Tausende Besucher in das sonst verschlafene Städtchen bringt.
Wir fahren am liebsten an einem Wochentag vormittags nach Sobotka, wenn der Marktplatz fast leer ist und man sich in Ruhe auf eine Bank am Brunnen setzen kann. An Wochenenden in der Saison ist mehr los – durch Sobotka verläuft nämlich eine der wichtigsten Radrouten ins Herz des Böhmischen Paradieses.
Weinreben im Norden Böhmens
Kaum jemand erwartet im Böhmischen Paradies einen Weinberg, doch der Hügel namens Vinice oberhalb von Sobotka hat eine Weinbautradition, die bereits im 16. Jahrhundert belegt ist – die damaligen Gutsbesitzer bauten hier trotz des kühleren nordböhmischen Klimas Reben an. Die Tradition erlosch zwischenzeitlich und wurde in den letzten Jahrzehnten von lokalen Enthusiasten teilweise wiederbelebt. Für Besucher ist es vor allem ein angenehmer Aussichtspunkt auf dem Weg vom Schloss zurück zum Marktplatz.
Radtour durch die Gegend
Durch Sobotka verläuft der Radweg Nr. 14, die zentrale Route des Böhmischen Paradieses, die Mladá Boleslav über Kozákov und Semily mit Jičín verbindet. Für uns ist Sobotka der ideale Halt auf halber Strecke – hier lässt sich Wasser auffüllen, am Marktplatz zu Mittag essen und weiter Richtung Trosky fahren, oder zurück nach Jičín über die flachere Route durch Robousy. Die Rundtour Sobotka–Humprecht–Staré Hrady und zurück misst knapp 20 Kilometer, größtenteils auf Asphalt oder befestigten Feldwegen, geeignet also auch für Familien mit Kindern auf dem Rad. In der Saison begegnet man hier auch E-Bikes aus den umliegenden Verleihen – der Anstieg zum Humprecht fordert nämlich auch geübten Radlern einiges ab.
Wenn ihr von Sobotka zurück ins Apartment in der Markova-Straße in Jičín kommt, erwartet euch eine eigene Küche und ein eigenes Bad mit Dusche – kein Teilen mit fremden Gästen, nur Ruhe nach einem Tag auf dem Rad oder zu Fuß. Ins Zentrum von Jičín und zum Valdštejnovo náměstí sind es von dort nur etwa 6 Gehminuten, sodass abends noch Zeit für einen Spaziergang mit Eis bleibt.
Sobotka außerhalb der Saison
Wir geben zu, dass wir Sobotka besonders außerhalb der Hauptsaison mögen. Im Oktober, wenn sich das Laub am Hügel Vinice gelb und orange färbt, ist der Spaziergang vom Schloss zum Marktplatz ein ganz anderes Erlebnis als in der Julihitze. Im Winter hat das Schloss meist nur an Wochenenden und mit verkürztem Rundgang geöffnet, dafür gehört der Marktplatz mit Weihnachtsschmuck und heißem Punsch aus einem der Cafés unter den Arkaden zu den Dingen, die man nicht vergisst. Wer im Winter kommt, sollte damit rechnen, dass der Weg zum Schloss vereist sein kann – Wanderstöcke oder zumindest Schuhe mit gutem Profil sind da hilfreich.
Was sich sonst noch lohnt
- Kozákov (744 m) – ein Gipfel, bekannt für Bergkristallabbau und einen Aussichtsturm mit Blick auf das Riesengebirge, etwa 15 Autominuten von Sobotka entfernt
- Staré Hrady – ein Renaissanceschloss mit einer Ausstellung zur Buchbindekunst, ein ruhiger Halt abseits der Hauptrouten
- Schlosspark Humprecht – ein englischer Park unterhalb des Schlosses, angenehm auch bei Regen, wenn es unter den Baumkronen trocken bleibt
- Gasthäuser rund um den Marktplatz – ideal für ein Mittagessen nach der Besichtigung, mit Preisen wie in einer Kleinstadt üblich, rechnet mit etwa 150–200 Kč
Wann fahren und was mitnehmen
- bequeme Schuhe – das Kopfsteinpflaster am Markt und der Waldweg zum Schloss beanspruchen die Füße unterschiedlich
- Kleingeld für den Eintritt und eventuell für den Parkplatz
- im Sommer eine Kopfbedeckung, der Weg zum Gipfel bietet kaum Schatten
- das Fahrrad, wenn es weiter Richtung Trosky gehen soll – von Sobotka sind es nur ein paar Kilometer
Praktischer Tipp zum Schluss
Wenn ihr im Sommer unterwegs seid, fahrt am besten vor zehn Uhr vormittags zum Humprecht – der Parkplatz unterhalb des Schlosses ist klein und füllt sich an Wochenenden in der Saison schnell. Den Rest des Tages habt ihr dann frei für einen Spaziergang über den Šrámkovo náměstí oder einen längeren Ausflug weiter ins Böhmische Paradies.